Politische Vereinigung Buntspecht e.V.

Archiv 2013_2014

Januar 2015
Trauer um frühere Vorsitzende Reni Schatz

Bestürzung hat die Nachricht vom Tod von Renate Schatz in Schramberg ausgelöst. Die gebürtige Rötenbergerin (Jahrgang 1963) hat seit den 80er Jahren viele, insbesondere frauenpolitische Initiativen in Schramberg gestartet und vorangetrieben. Dazu zählte auch der Städtische Frauenbeirat, dessen erste Vorsitzende sie nach der Gründung 1993 wurde. Er besteht bis heute und vereinigt alle Frauenverbände und -gruppierungen in Schramberg.

Auch für Buntspecht war Reni Schatz von Anfang an eine treibende und stabilisierende Kraft. Zum 25-jährigen Jubiläum von Buntspecht im Dezember 2014 kam die frühere Vorsitzende auch mal selbst wieder nach Schramberg und erinnerte sich an die Anfänge. Sie war von 1995 bis 2004 erste Vorsitzende der Politischen Vereinigung und war von 1998 bis 1999 auch für Buntspecht im Gemeinderat.

Politische Akzente setzte Reni Schatz in einem vielfältigen Engagement und ging dabei auch immer wieder neue Wege. Als junge Mutter setzte sich Reni Schatz für die Interessen der Frauen ein, war Mitgründerin des Frau-Mutter-Kind-Zentrums (heute ElKiCo) in Schramberg sowie des Politischen Frauenstammtischs. Ihr kämpferisches Engagement für die Umwelt, die Rechte der Frauen und Familien war geprägt von Geradlinigkeit und Ehrlichkeit. Zugleich war sie aber auch ein sensibler Mensch mit großer Herzlichkeit und Gastfreundschaft.

Als Betreiberin des Naturladens in der Schramberger Markstraße setzte sie auch in der Geschäftswelt Akzente und leistete Pionierarbeit für die Biobranche. Bald zwei Jahrzehnte betrieb sie den ersten Bioladen in Schramberg, bis sie Leitungsaufgaben in der Oasis-Teehandelsfirma in Bondorf übernahm und diese zu einem florierenden Unternehmen mit familienfreundlichen Arbeitsbedingungen ausbaute. Für viele Bio-Tee-Anbauer in Asien, Afrika und Südamerika wurde Oasis-Tee dank Reni Schätz‘ Engagement zu einem verlässlichen und fairen Partner.

Sie hinterlässt ihren Mann Stephan Schwall und die Kinder Nina und Johannes – sowie viele Freundinnen und Freunde, die sie sehr vermissen werden.


November 2014
25-jähriges Jubiläum macht gesellschaftlichen Wandel deutlich

25 Jahre Buntspecht Jubiläum 2014

Vorsitzender Peter Schimak bei der Jubiläumsfeier im Evangelischen Gemeindehaus.

Die Politische Vereinigung Buntspecht Schramberg e.V. beging Ende November ihr 25-jähriges Jubiläum mit einem festlichen Abend im Erhard-Junghans-Zimmer des Evangelischen Gemeindehauses. Die Rückblicke, Interviews und Gespräche machten dabei deutlich: auch in 25 Jahren kann sich schon vieles verändern.

Vorsitzender Peter Schimak begrüßte die Feiernden, darunter auch einige Ehemalige, die nach Schramberg gereist waren, aber auch Vertreter der anderen Gemeinderatsfraktionen und Oberbürgermeister Thomas Herzog. Das Äußern von Widersprüchen sei oft der wertvollste Motor der Weiterentwicklung von Gemeinschaften, sagte Schimak. Mit ihrem Eintreten für Bürgernähe und Umweltschutz hätten die Buntspechte dazu beigetragen, dass Widersprüche geäußert wurden.

„Vieles hat sich in diesen 25 Jahren im Sinne von Buntspecht gut entwickelt“, erwähnte Schimak. So finde die Bürgerbeteiligung, die von Anfang an eingefordert wurde, heute in vielfältigen Ausdrucksformen statt. Buntspecht biete mit der Begrenzung seines Engagements auf die Gemeinde die Möglichkeit, politische Prozesse und Entscheidungen persönlich mitzuerleben, ohne von Medien abhängig zu sein.

Noch weiter zurück als auf 25 Jahre blickte Sozialdemokrat Hans Jörg Fahrner in seinem Grußwort. Der Sprecher der SPD-Buntspecht-Fraktionsgemeinschaft schilderte das gesellschaftliche Klima, das in den 70er und 80er Jahren zum Erstarken von Bürgerinitiativen und -protesten, der Umweltbewegung und einer zunächst außerparlamentarischen Opposition führte. Die Bürgerinitiativen hätten sehr viel bewegt. Die SPD in Schramberg sei mit Buntspecht in den allermeisten Fällen inhaltlich einig, so dass die gebildete Fraktionsgemeinschaft nur logisch sei.

Ein Grußwort sprach auch Johannes Grimm, Vorsitzender des CDU-Ortsverbands, der den Buntspechten als Geschenk parteilich ausgewogen eine schwarze Flasche mit rotem Inhalt, „gekauft bei der Freien Liste“, mitgebracht hatte. Fraktionssprecher Udo Neudeck von der Freien Liste, hatte in seiner Entschuldigung anerkennend geschrieben: „Durch euch sind wir alle ein bißchen grüner geworden“.

In die Anfangszeit von Buntspecht kehrten die Zuhörer zurück mit den Interviews, die Buntspecht-Stadtrat Martin Himmelheber mit den Gründungsmitgliedern Elke Brezger, Ewa Kügler, Bernd Richter, Reni Schatz und Bea Mahlke führte. Gabriele Frommer, über die Offene Grüne Liste Vorreiterin von Buntspecht und erste Sprecherin der Buntspecht-Fraktion, war erkrankt, berichtete aber in einem Schreiben von den Auseinandersetzungen mit dem damaligen OB. Die Gesprächspartner bei der Jubiläums-Feier beleuchteten die Motivationen und das Meinungsklima bei der Gründung von Buntspecht, als der Bunkerbau oder die Otto-Proteste die Schramberger Bürgerschaft in Aufruhr gebracht hatten und der Einsatz für die Umwelt noch alles andere als akzeptiert war.Auch Tschernobyl hatte viele damals wachgerüttelt.

Buntspecht ist nicht nur im Schramberger Gemeinderat seit 1989 vertreten, sondern prägte 15 Jahre lang auch den Waldmössinger Ortschaftsrat mit, vor allem mit dem verstorbenen Florian Mahlke, der 15 Jahre im Gremium war, und Petra Hansen, die zehn Jahre lang als erste Frau im Ortschaftsrat überhaupt vertreten war und die Buntspecht-Politik vertrat. Betrachtet wurde auch die umweltpolitische Situation in Tennenbronn, wo der heutige Buntspecht-Stadtrat Reinhard Günter schon vor der Eingemeindung nach Schramberg als Vertreter der BDU-Liste aktiv war und ähnliche Erfahrungen machte.

Zu Wort kamen aber auch zwei junge Buntspecht-Mitglieder, nämlich Gunnar Link und Wolfgang Geißler, gemeinsam mit dem ebenfalls noch jungen Oberbürgermeister Thomas Herzog. Was Buntspecht für die Jüngeren attraktiv machte, so wurde erwähnt, waren das Querdenken, die Parteiunabhängigkeit und die Offenheit für gesellschaftskritische Themen. Abschließend unternahm Ewa Kügler noch einen kleinen Ausblick auf Fragen, die trotz aller Bewegung noch nicht ausreichend gelöst sind wie etwa die Situation der Frauen und eine Erziehung, die auch den Kindern gerecht wird.

Es wurde jedoch nicht nur geredet, sondern auch gesungen und gespielt, und zwar von Reinhard Günter gemeinsam mit zwei weiteren „Querbeet“-Musikern, Melanie Günter und Martin Müller. Sie spielten passende und stimmungsvolle Songs und Hymnen aus diesen bürgerbewegten Zeiten bis hin zum „Bürgerlied“ von 1845, das gemeinsam mit dem Publikum angestimmt wurde.

Großes Interesse fand auch die kleine Ausstellung mit allen Wahlprospekten von Buntspecht und ihren Kandidatenbildern, die so manche Erinnerungen wachriefen, genauso wie historische Zeitungsartikel und Bilder von früheren Aktionen. Ein Fest war das – so die Meinung der Beteiligten -, wie es gut zu Buntspecht passt.


Juli 2014
Der heimische Wald vor gravierendem Wandel – Waldbegehung im Eckenhof

Waldbegehung beim Eckenhof mit Diplom-Forstwirtin Dorothee Nagel (Mitte).

Waldbegehung beim Eckenhof mit Diplom-Forstwirtin Dorothee Nagel (Mitte).

Bei einem Waldspaziergang in der Nähe des Feriendorfes Eckenhof in Sulgen zeigte Diplom-Forstwirtin Dorothee Nagel den „Buntspechten“, welche Aufgaben der Wald heute zu erfüllen hat und wie eine nachhaltige Forstwirtschaft gelingen kann. Die Schramberger Politische Vereinigung hatte diese Begehung organisiert.

„Wir rechnen nicht in einer Generation, wir rechnen in dreien“, betonte Nagel. Was heute im Forst gepflanzt werde, würden unsere Enkel und Urenkel ernten – oder eben auch nicht. In dem kleinen Waldstück oberhalb des Feriendorfes sind die Funktionen Holzwirtschaft, Naherholung, Jagdrevier und Lebensraum für Pflanzen und Tiere ganz nah beieinander zu finden. Am Beispiel einer abgestorbenen Fichte erläuterte Forstwirtin Nagel, dass Totholz heute im Wald erwünscht sei, um vielen Insekten und Vögeln – nicht nur (Bunt-)Spechten – einen Lebensraum zu bieten.

Die Staatswälder seien beim Naturschutz tonangebend: „Die Revierleiter müssen Totholzstämme erhalten – und zwar stehend.“ In liegenden Bäumen fühlten sich die Insekten und Vögel bei weitem nicht so wohl. Der Wald sei in den letzten Jahrzehnten deutlich naturnäher geworden. „Nicht mehr so aufgeräumt“, wie ein Buntspecht bestätigte.

Die Vermarktung des Holzes aus den vielen, sehr kleinteilig parzellierten Privatwäldern geschehe bisher über die Forstämter. Das sei der EU ein Dorn im Auge, weil die staatlichen Förster für die Holzvermarktung im großen Stil zuständig seien und nicht der Markt die Preise bestimme. „Völlig offen“ sei, wie dieser Streit ende: „Der Holzverkauf ist eine hochkomplexe Angelegenheit.“

Wenige Schritte weiter kam die Gruppe zum Hochseilgarten. Hoch oben an den Stämmen sind Seile befestigt, über die Wagemutige klettern können. Die Erholungsfunktion des Waldes habe sich ebenfalls geändert. Waren früher Spaziergänger, Pilze- und Beerensammler im Wald unterwegs, so bevölkern ihn heute auch Mountainbiker Downhillraser, Geocacher und Jogger. „Das muss miteinander funktionieren.“

Schließlich kam Nagel auf die Jagd zu sprechen. Sie ist überzeugt, ohne Jagd gäbe es keinen Wald. Rehe und Wildschweine würden alles kahl fressen. Auch weil der Raps- und Maisanbau der Landwirtschaft für ideale Futterquellen sorge. „Der Druck auf den Wald wird noch steigen.“


Juli 2014
Leichter Aufwind für Buntspecht bei den Kommunalwahlen

Hauptversammlung mit Rückblick auf Wahlkampf

Der Rückblick von Vorsitzendem Peter Schimak bei der Hauptversammlung der Politischen Vereinigung Buntspecht Schramberg Anfang Juli in der Sulgener Gaststätte „Unot“ galt vor allem der Kommunalwahl und einer Vielzahl an Aktivitäten. Den Ausgang der Gemeinderatswahl mit einem leichten Stimmenzuwachs bewertete Schimak als positiv.

Von Buntspecht angestoßen und organisiert war die fraktionsübergreifende Veranstaltung zur Energiewende in Schramberg im Mai 2013. Ihr folgten seither noch eine ganze Reihe weiterer öffentlicher Veranstaltungen. So wurde im Zigeunerhäusle Waldmössingen die Speicherproblematik von Wind- und Sonnenenergie diskutiert sowie auch der Anschluss an eine Bürger-Energiegenossenschaft. Auf großes Interesse stießen auch die Windkraft-Wanderung in Tennenbronn im März gemeinsam mit BDU Tennenbronn und SPD Schramberg und die Veranstaltung zur gesunden Ernährung in Kantinen und Großküchen im Mai.

Was die Gemeinderatswahl alles an Vorbereitungen verlangte, machte Schimak in seinem Rückblick nochmal deutlich. Er bedankte sich für die „tolle Teamarbeit“ und das Engagement, das bei den Veranstaltungen gezeigt wurde. Ein besonderer Dank galt Gunnar Link aus Waldmössingen, der das Logo von Buntspecht überarbeitete und für die Erstellung des Wahlprospekts sowie der Wahl-Seite von Buntspecht im Internet sorgte.

Bei einer leichten Verbesserung vom Stimmenergebnis her habe Buntspecht seine beiden Mandate im Gemeinderat mit den Stadträten Martin Himmelheber und Reinhard Günter halten können. Ein Wermutstropfen dabei sei, so Peter Schimak, dass Buntspecht nach wie vor keine Frau im Gemeinderat stellen könne.

Auch Stadtrat Martin Himmelheber lobte das vielköpfige Engagement bei Buntspecht. Er bedauerte, dass es kein Kandidat mit Migrationshintergrund in den Gemeinderat geschafft habe – bei keiner Liste. In seinem Kassenbericht stellte er heraus, dass Veranstaltungen und die Wahlkampfkosten den Kassenbestand ziemlich ausgedünnt hätten. Für die Zukunft sei es wichtig, auch wieder neue zahlende Mitglieder zu gewinnen.

In seinem Ausblick hielt Vorsitzender Schimak eine weiterhin gute Zusammenarbeit zwischen Gemeinderäten und der Buntspecht-Gruppe für wichtig. Am Thema Energiegenossenschaft möchte man dran bleiben, im Herbst das 25-jährige Jubiläum feiern und auch eine Zusammenarbeit mit der Grünen-Ortsgruppe ins Auge fassen. Deren Vorsitzender Volker Goerz war auch persönlich anwesend und sprach sich ebenfalls für eine gegenseitige Unterstützung aus.

Die Entlastung des Buntspecht-Vorstands wurde von Dorothee Nagel beantragt und einstimmig erteilt. Die Arbeit von Buntspecht sei wichtig und werde „ernsthaft, aber auch mit dem nötigen Humor“ geleistet, wie sie ausführte.

Elke Brezger forderte dazu auf, sich über Radwege-Möglichkeiten Gedanken zu machen. Wolfgang Geißler kritisierte, dass jetzt Wochen nach den Wahlen immer noch Plakate der AfD in Schramberg hingen. Die wieder neu geplante Bebauung im Birkenhof auf dem Sulgen stieß bei Buntspecht auf Unverständnis und Ablehnung.


Mai 2014
Wenn die Salzkartoffeln teurer sind als Pommes frites

Buntspecht mit zahlreichen Gästen dem Essen in der Gemeinschaftsverpflegung auf der Spur

Buntspecht-Veranstaltung „Essen aus der Großküche“

Dass nicht alles gesund ist, was auf den Tisch kommt, erklärte der Ernährungswissenschaftler, Peter Grimm (links) von der Deutschen Gesellschaft für Ernährung bei seinem Vortrag. Auf der Buntspecht-Veranstaltung „Essen aus der Großküche“ in der Fischerkantine auf dem Junghans-Gelände.

Die Küche der Fischerkantine blieb kalt am Montagabend. Trotzdem wollten sich etwa 50 Eltern, Erzieherinnen und Mensabetreuer auf Einladung von Buntspecht am 12. Mai informieren, wie Kantinenessen heute aussehen sollte, damit es nicht nur schmeckt, sondern für Kinder, Alte und Kranke in Schramberg auch gesund und bezahlbar ist. Eine Herkulesaufgabe?

Außer dem Gastredner, Professor Peter Grimm von der Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE), hatte die Politische Vereinigung für Umwelt und Bürgernähe, Buntspecht, auch zwei Catering-Unternehmer eingeladen: den Hausherrn Alexander Pflugbeil von der Fischerkantine und Edgar Moser-Fendel aus Unterkirnach.

Thema brennt vielen auf den Nägeln

„Gibt es in Schramberg nichts Wichtigeres zu diskutieren als über das Essen, wie beispielsweise über die Krankenversorgung oder dieSchulentwicklung?“, fragte eingangs Buntspecht-Mitglied Ewa Kügler, die die Veranstaltung organisiert hat. Vielen Menschen brenne das Thema „Essensversorgung aus der Großküche“ aber ebenfalls auf den Nägeln. „Doch wer fühlt sich eigentlich für die Qualität und den Preis verantwortlich?“
„Zu fett, zu viel Fleisch, zu wenig Frisches“, hatten die Ernährungswächter von der DGE in einer Studie zum „Essen auf Rädern“ 2012 festgestellt. Das Ergebnis habe Kügler bei einer kranken Nachbarin selbst nachvollziehen können. Zwei dicke Scheiben Fleischkäse, Soße, die immer gleich aussah und roch, Nudeln und drei Blätter Salat, seien bei einem alten und kranken Menschen nicht gerade den Appetit anregend und führten bei der Nachbarin dazu, dass sie das Essen meistens ganz verweigerte.

Dass ein verantwortungsbewusster Umgang und fachliche Kompetenz bei der Essensplanung und Zubereitung notwendig seien, unterstrich DGE-Landesgeschäftsführer Grimm. Immer mehr Menschen nähmen heute an der Gemeinschaftsverpflegung teil, vor allem Kinder, sagte er. Doch gebe es, anders als bei den Hygienevorschriften, dafür keine gesetzlichen Vorgaben. Nur Currywurst, Pommes und Schnitzel im Wechsel und hinterher ein süßes Dessert anzubieten, wie er es an einem Gymnasium erlebt habe, könnte aber nicht die Lösung sein, damit es allen Kindern schmeckt. Schließlich gehe es auch um die Langzeitprävention von Krankheiten wie der Zuckerkrankheit oder der Fettsucht.

DGE empfiehlt acht Mal Fleisch und zweimal Süßes an 20 Tagen

Grimm appellierte an die Cateringfirmen, die Essenspläne nach den Standards der DGE mit möglichst täglich frischem Obst und Gemüse, in 20 (Mensa-)Tagen maximal acht Mal Fleisch und zweimal einem Süßgericht zusammenzustellen: „Das geht ohne höhere Kosten.“ Langes Warmhalten der Speisen lehnt die DGE ebenso ab wie gekochtes und gesüßtes Obst als Nachtisch: „Süße Sachen und süße Limos sind für den Ernährungswissenschaftler Gift schlechthin.“
Dass sie mit spitzem Bleistift kalkulieren müssten, um ihre Kunden bei einem Preis von 2,30 bis 3,50 Euro pro Mittagessen zufrieden zu stellen, unterstrichen die Kantinenchefs Alexander Pflugbeil und Edgar Moser-Fendel: „Wir könnten qualitativ besser kochen, wenn wir mehr Geld zur Verfügung hätten. Eine selbst geschälte und zubereitete Salzkartoffel ist teurer als Pommes frites. Und ohne Fertigsoßen- und Suppen kommen wir nicht aus.“
Moser-Fendel mahnte auch die Verantwortlichkeit der Eltern an: „Es ist nicht gesagt, dass heute im Elternhaus besser gekocht wird als bei uns.“ Alexander Pflugbeil bereitet in seiner Küche täglich 1800 Essen zu. Er beliefert in erster Linie Firmenkantinen, aber auch Schramberger KiTas, Schulmensen, die Katholische Sozialstation sowie eine Schulmensa in St. Georgen.

Kinder essen wählerisch

Ihre Zufriedenheit und gute Zusammenarbeit mit der Fischerkantine hoben die Mensachefin der Erhard-Junghans-Schule Schramberg , Gabriele Kretschmer, und die Leiterin der Mensa in St. Georgen, Beate Wasmuth, in der anschließenden Diskussion hervor. Sie sagten auch, wie wählerisch viele Kinder heute seien und wie schwer es für eine Mitarbeiterin sei, 25 Kinder zum Essen zu bewegen.
„Vieles kommt in den Müll“, hat auch Ernährungswissenschaftler Grimm bei seinen Besuchen in Schulmensen beobachtet. Entsetzt zeigte sich ein Diskussionsteilnehmer darüber, dass Schüler zwischen mehreren Gerichten wählen können. Früher wurde gegessen, was auf den Tisch kommt. „Die Schulen haben einen Bildungsauftrag, und dazu gehört heute auch das Essen“, fand er.
Das sahen Krystina Saurer vom JUKS und eine Lehrerin etwas anders: „Man muss aufpassen, dass die Kinder nicht gar nicht mehr kommen, wenn ihnen das Essen in der Mensa nicht schmeckt.“

Auch die Politik gefragt

Dass bei aller Verantwortung der Eltern auch die Politik gefragt ist, wenn es um gesunde Ernährung in der Ganztagsbetreuung geht, wurde in der Veranstaltung nur kurz angesprochen. „Auch der Staat möchte ja als Folge des demographischen Wandels, fehlender Fachkräfte und veränderter Familienstrukturen, dass alle Frauen und Männer im erwerbsfähigen Alter einer Berufstätigkeit nachgehen“, so Ewa Kügler. Buntspecht-Stadtrat Martin Himmelheber, der die Diskussion moderierte, versicherte, dass das Thema gesundes Mensaessen mit dieser Veranstaltung „nicht ‚gegessen‘ sein wird, sondern „wir uns in Zukunft im Gemeinderat verstärkt damit beschäftigen werden.“


2013
Eine Genossenschaft als Demokratisierung der Energieversorgung

Thementag von Buntspecht im Zigeunerhäusle

Diskussion beim Buntspecht-Thementag 2013

Buntspecht diskutiert am Nachmittag bei schönstem Spätsommerwetter über die Konturen des nächsten Wahlprogramms.

Mit einem Informationsvormittag zur Förderung nachhaltiger Energiegewinnung durch eine Bürgergenossenschaft weckte die Politische Vereinigung Buntspecht im Rahmen ihres Thementags Ende September auch das Interesse von Nichtmitgliedern. Im Zigeunerhäusle Waldmössingen, vom Heimatpflege-Förderverein zur Verfügung gestellt, war Harald Roth vom Vorstand der Bürger-Energie Schwarzwald-Baar zu Gast, der kompetent und umfassend zur Zukunft der Energiegewinnung und den Chancen und Grenzen genossenschaftlicher Projekte Stellung nahm.

Der Elektronik-Ingenieur, der sich schon in seinem Studium mit Photovoltaikanlagen beschäftigt hatte, verteidigte das Energie-Erneuerungsgesetz als die Möglichkeit, die Energieerzeugung erstmals zu demokratisieren und nicht nur den Energiekonzernen zu überlassen. Doch aufgrund des Gegenwinds gegen dieses Gesetz verschlechterten sich die Bedingungen voraussichtlich noch weiter. So seien die jetzt vorgeschriebenen zehn Prozent Eigenverbrauch des erzeugten Stroms oft eine Hürde beispielsweise bei Anlagen auf Stadthallen.

Der Genossenschaftsgedanke bei der nachhaltigen Energiegewinnung sei vor rund sechs Jahren aufgegriffen worden und verleihe dieser Demokratisierung einen neuen Schub. Jedes Mitglied habe eine Stimme, unabhängig von der Zahl der Anteile. Die Bürger-Energiegenossenschaft Schwarzwald-Baar wurde 2011 gegründet, habe inzwischen rund 70 Mitglieder und realisierte bisher drei Photovoltaikanlagen und jüngst eine 1 Megawatt-Anlage am Autobahndreieck Bad Dürrheim, eine Investition von 1,25 Millionen Euro.

Da die Rentabilität von Photovoltaik allerdings rückläufig ist, plant die Genossenschaft auch Investitionen im Bereich Nahwärme und Windkraft. Ein Projekt mit Nahwärmeversorgung mittels Biogas, ergänzt durch Hozhackschnitzel, ist für eine Siedlung im Gespräch.

Das Eigenkapital der Anleger wird mit Bankkrediten ergänzt. Ziel ist es, eine Rendite von vier Prozent zu erwirtschaften. Da die Genossenschaftsprojekte als langfristige Anlage konzipiert sind, beträgt die Kündigungsfrist für die Anteile zwei Jahre. Die Haftung beschränkt sich auf die Höhe des eigenen Anteils.

Die Investition in Photovoltaikanlagen durch eine Genossenschaft, so Harald Roth, rechne sich vor allem dann, wenn der erzeugte Strom möglichst vollständig selbst verbraucht werde. Wenn die Anlage auf dem Dach von der Genossenschaft gebaut und an den Dachbesitzer vermietet werde, seien bisher auch keine Gebühren fällig.

Die Bürger-Energie Schwarzwald-Baar sei offen für eine Erweiterung auf die Region Schramberg. Die Buntspecht-Gruppe stellte bereits Überlegungen vor, wo in Schramberg ein genossenschaftliches Projekt denkbar wäre und erste Gespräche geführt wurden. Bei Photovoltaikprojekten, warnte Harald Roth, bestehe allerdings großer Zeitdruck. Spätestens 2014 müssten wegen der rückläufigen Förderung solche Anlagen ans Netz gehen, wenn sie noch Gewinn bringen sollten.

Bei der Ausstattung der Anlagen setze die Bürger-Genossenschaft ausschließlich auf qualitativ bewährte Silicium-Module, die auch wiederverwertet werden können, beschied Roth auf Nachfrage. Die Laufzeit sei auf 25 bis 30 Jahre konzipiert. Eine Energiegenossenschaft biete auf jeden Fall mehr Möglichkeiten, etwas zur Energiewende beizutragen, als sie der Einzelne habe. „Wir müssen wegkommen von der fossilen Energie“, unterstrich Roth.

Buntspecht-Vorsitzender Peter Schimak sah in solchen Bemühungen um eine nachhaltige Energiegewinnung „einen Beitrag zur Zukunftsfähigkeit unseres Landes“. Karl Pröbstle erkannte vor allem in dezentralen Nahwärmeprojekten einen Bedarf. Buntspecht will sich weiter auf die Suche nach geeigneten Projekten in der Raumschaft Schramberg machen, um die regenerative Energiegewinnung voranzubringen. Diese wird auch, wie die Mitglieder im weiteren Verlauf ihres Thementages festhielten, ein wichtiger Punkt im Wahlprogramm für 2014 sein.


Mai 2013
Wer profitiert von der Energiewende?

Fraktionsübergreifende Veranstaltung ohne Scheuklappen

Energiewende Veranstaltung 2013

Auf der Suche nach dem sauberen Strom: die Referenten Alfred Bruttel (links) und Peter Kälble (rechts) bei der Veranstaltung im Evangelischen Gemeindehaus.

Was ist wichtiger: die Verteilungsnetze auszubauen oder für Energiespeicher zu sorgen? Verschärft die Photovoltaik die soziale Ungerechtigkeit im Land oder sind ihre Auswirkungen sozial? Offen und kontrovers diskutiert haben etwa 80 Besucher am Dienstagabend, 7. Mai, im Evangelischen Gemeindehaus in Schramberg über diese Probleme. Die gemeinsame Veranstaltung aller im Gemeinderat vertretenen Parteien und Wählergemeinschaften zur „Energiewende lokal“ hat damit das gebracht, was sich die Veranstalter erhofften: Den Austausch von Argumenten ohne ideologische Scheuklappen. Initiiert hatte diesen Abend die Liste Buntspecht.

Zunächst hatten die Referenten Peter Kälble, Geschäftsführer der Stadtwerke Schramberg, und Alfred Bruttel, Chef der Firma Neue Energien in Villingen-Schwenningen, den Ist-Zustand bei der Energiewende beschrieben. In Schramberg, so Kälble, erzeugen Wind, Sonne, Wasser und Biomasse inzwischen etwa so viel Strom, wie in den privaten Haushalten verbraucht wird: 37 Millionen Kilowattstunden nämlich. Vor zehn Jahren waren es gerade mal fünf Millionen. Während der Anteil von Wasserkraft etwa gleich geblieben ist, sind die Biomasse und die Windkraft deutlich, und die Anteile der Photovoltaik (PV) stark angestiegen. Waren es vor zehn Jahren noch etwa 50 Anlagen, so sind heute mehr als 700 PV-Anlagen in Schramberg installiert. Dabei ist es für die Stadtwerke schwierig, eine gleichmäßige Auslastung des Netzes zu gewährleisten. Bei PV und Wind gibt es starke Schwankungen, während Wasser und Biomasse nahezu gleichmäßig Strom liefern. Die beiden letzteren sind aber nur zu etwa zehn Prozent an der Stromerzeugung aus regenerativen Quellen beteiligt.

Ein weiteres Problem ist, dass Biogasanlagen fast das ganze Jahr über laufen können, die Verfügbarkeit bei Wasser, Sonne und Wind aber – naturgemäß – weit darunter liegt. Kälble wies in seinem Referat auf die Umverteilungseffekte durch die erneuerbaren Energien und das Erneuerbare Energiengesetz (EEG) hin. Über eine Umlage auf den Strompreis werden die höheren Kosten für erneuerbare Energien auf die Stromkunden abgewälzt. So fließt viel Geld von den Stromkunden in Nordrhein-Westfalen nach Bayern, weil dort sehr viele PV Anlagen installiert sind. Es fließt aber ebenfalls viel Geld aus den Taschen derjenigen, die sich keine eigene PV-Anlage leisten können, auf die Konten von Besitzern solcher Anlagen. Und schließlich haben sich 2000 energiehungrige Industrieunternehmen von der EEG-Umlage befreien lassen: „Die profitieren doppelt: von niedrigen Preisen an der Strombörse dank der erneuerbaren Energien und weil sie von der EEG-Umlage befreit sind.“

Es komme hinzu, dass bei heutigen Strompreisen viele PV-Stromerzeuger ihren Strom selbst verbrauchen, damit viel Geld sparen, aber die Infrastruktur der Leitungsnetze nicht mehr mit bezahlen. „Die Wohlhabenderen klinken sich aus den Gemeinkosten aus.“
Das Ziel, bis 2050 etwa 80 Prozent der elektrischen Energie aus regenerativen Quellen zu erzeugen, sei ambitioniert, derzeit habe man etwa 23 Prozent erreicht. Wie bei einem Marathonlauf käme es darauf an, mit seinen Kräften zu haushalten und nicht auf den ersten Kilometern zu schnell los zu laufen.

Alfred Bruttel, der mit seiner Firma seit vielen Jahren PV-Anlagen entwickelt und baut, bezeichnete das EEG als das „Rückgrat der Energiewende. Das Schöne ist, dass die Bevölkerung aufgerufen ist, mitzumachen.“ Der Verzicht auf Stromverbrauch oder die verbesserte Energieeffizienz dürften nicht missachtet werden. „Ohne eine veränderte Haltung bei uns geht es nicht.“ Das EEG sei ein sehr demokratisches Instrument, das sich bewährt habe und inzwischen von 50 anderen Ländern übernommen wurde. Die EEG-Umlage von derzeit gut fünf Cent werde nur zur Hälfte tatsächlich für die regenerativen Energien eingesetzt, die andere Hälfte habe damit nichts zu tun.
Bedauerlich sei, dass es bei den CO2-Verschmutzungsrechten einen Preisverfall gegeben habe und die Politik nichts dagegen unternehme, das erhöhe automatisch die EEG-Umlage.

Wenn man die soziale Frage betrachte, müsse man auch die Vorteile der regenerativen Energien für die Gesellschaft sehen. „So sind sechs Milliarden Euro letztes Jahr nicht für Gas nach Russland oder Erdöl nach Saudi-Arabien geflossen.“ 380.000 Arbeitsplätze hingen inzwischen an den Erneuerbaren. Bruttel widersprach auch der Ansicht, die Solaranlagen seien Preistreiber. Inzwischen könne man Strom für um die zehn Cent je Kilowattstunde erzeugen. Klar sei auch, Solarstrom bleibe billig, man brauche keine Rohstoffe als Betriebsstoffe einsetzen.
Bruttel plädierte für neue Finanzierungsmodelle, über die Anlagen auf großen Flächen installiert werden können. Die Gründung von Genossenschaften sah er als einen Weg. In wenigen Jahren hätten sich mehr als 200 solcher Genossenschaften im Land gegründet und dafür gesorgt, dass die Wertschöpfung in der Region bleibe.

In der anschließenden Diskussion kritisierte Stadtrat Clemens Maurer (CDU) die Strompreiserhöhungen als schädlich für die Industrie, die ja nicht generell von den Umlagen verschont bleibe. Sein Fraktionskollege Stefan Hettich erklärte, er müsse mit Betrieben im Ausland konkurrieren, habe aber fast drei Mal so hohe Stromkosten. Als zu zögerlich und wenig transparent betrachtete ein Gast aus Buchenberg die Planungen für die Windkraftanlagen. Schrambergs Oberbürgermeister Thomas Herzog legte dar, dass die Stadt noch vor der Sommerpause ihre Vorschläge für mögliche Windkraftstandorte auf Schramberger Gemarkung vorstellen wird: „Ob dann dort auch eine Anlage gebaut wird, ist eine andere Frage.“ Stadtrat Robert Bantle (Freie Liste) berichtete, dass er mit seiner Biogasanlage etwa 1000 Haushalte mit Strom versorge. Man müsse überlegen, wie man künftig die entstehende Überproduktion unterbringe. Ein Besucher aus Alpirsbach legte den Schrambergern nahe, sich ebenfalls eine Energiegenossenschaft zuzulegen. Stefan Schuler von der Deißlinger Genossenschaft berichtete, dass man von anfangs 17 auf heute gut 230 Mitglieder gewachsen sei. Eine erste Anlage sei bereits installiert. Bei der Gründung habe „Geld nicht die wichtigste Rolle gespielt sondern die Überlegung: das ist unser Strom.“

So blieb am Ende der Gedanke, möglicherweise im Zusammenhang mit dem Bau des neuen Feuerwehrgerätehauses eine PV-Anlage zu planen, die dann von einer noch zu gründenden Schramberger Energiegenossenschaft finanziert werden könnte.
Mit dem Wunsch des Moderators Martin Himmelheber (Buntspecht), dass ähnliche parteiübergreifende Debatten zu politischen Themen wie Bildung, Gesundheitswesen oder Mindestlöhnen in Schramberg stattfinden mögen, endete die erste derartige Veranstaltung.