Politische Vereinigung Buntspecht e.V.

Unsere Stadt

Schramberg im Schwarzwald — mehr oder weniger subjektiv betrachtet von Ewald Graf


Die Fünftälerstadt im Schwarzwald – das Junghans-Städtchen – junge, aufstrebende Industriestadt – Erfinder-Zeiten – Narren-Hochburg, besonders im Bach – Schwarzwald-Qualität – Rotliegendes… (was weder was mit Rolichtvierteln noch mit gebräunten Leibern am Strand zu tun hat, sondern mit Geologie)

222 Jahre lang österreichisch, 169 Jahre württembergisch, seit 39 Jahren im Regierungsbezirk Freiburg und damit eigentlich südbadisch – seit acht Jahren mit einem durch und durch badischen Stadtteil verbunden aufgrund der freiwilligen Eingemeindung Tennenbronns 2006

seit 1989 kommunalpolitisch durch einen bunten Haufen ökologisch-, frauen- und bürgerbewegter Gemeinderäte belebt, die Buntspecht-Liste für Umwelt und Bürgernähe


Der Naturraum

Vom Mittleren Schwarzwald bis zum Oberen Gäu zieht sich die Landschaft des Schramberger Stadtgebietes hin. Die kesselartige Talweitung der Kernstadt an der Schiltach ist dem morphologisch weichen Rotliegenden zu verdanken, einem leicht erodierbaren roten Trümmergestein des Perm-Erdzeitalters, das unter dem Buntsandstein ansteht, der im Westen die Höhen und im Osten die Hochflächen bedeckt. An Schiltach und Lauterbach sind die Täler sonst in den Granit geschnitten, der sich verschiedentlich zu Felsburgen auftürm (Felsenmeer, Rappenfelsen u.v.a.). Die geologische Bruchstelle, der sich das Schramberger Tal verdankt, wird als „Schramberger Hauptverwerfung“ bezeichnet (ohne dass damit ein abschätziges Urteil zum Ausdruck gebracht werden soll – hoffen wir wenigstens!).

Ab Sulgen erstreckt sich das Stadtgebiet nach Osten auf den „Randplatten des Mittleren Schwarzwalds“ bis ins Obere Gäu (Strohgäu und Heckengäu in Waldmössingen), das zum Oberen Neckar gehört – sanft geneigte Hochflächen, wenig eingeschnittene Täler und ausgedehnte Waldungen. Hier erstreckt sich auch von Rötenberg bis Hardt ein 40 Quadratkilometer großes Wasserschutzgebiet. Den Großteil des Leitungswassers wird aber inzwischen vom Zweckverband Kleine Kinzig bezogen.

37 Prozent des Stadtgebiets sind bewaldet (Tennenbronn sogar 53 Prozent), allerdings großteils nicht die natürlich wachsenden Laubwälder, sondern Nadelwälder. Naturschutzgebiete sind auf Schramberger Gemarkung nicht ausgewiesen. Unter Landschaftsschutz stehen das Schiltach- und das Bernecktal, das Gebiet ums Römerkastell. Als flächenhafte Naturdenkmale sind der Wiesenwaldweiher in Sulgen und der Vierhäuser-Waldteich geschützt. Dazu kommen zahlreiche Biotope. Trotz aller Industrie trägt Schramberg das Prädikat „Anerkannter Erholungsort“.


Die Gewässer

Schiltach: sie zieht sich von Tennenbronn durch das Bernecktal und die Talstadt bis zur Stadtgrenze im unteren Schiltachtal. In der Stadt Schiltach mündet sie dann in die Kinzig, größter Nebenfluss des Rheins im Schwarzwald. Die Quelle liegt auf Gemarkung Langenschiltach, Stadtteil von St. Georgen. In Schramberg hat die Schiltach mit ihren Zuflüssen in der Geschichte viele Hochwasser verursacht, zwei große etwa 1778, als das damals neue gräfliche Schloss und die Pfarrkirche St. Nikolaus (neben St. Maria heute) beschädigt wurden, und 1959, als die Innenstadt überschwemmt wurde und 20 Millionen DM Schäden verzeichnet wurden. Heute sind in die Zuflüsse Rückhalte eingebaut und das Bachbett der Schiltach ist im Stadtkern tiefer gelegt worden im Rahmen der Stadtsanierung.

Die Schiltach wird im Bernecktal zwischen Tennenbronn und Schramberg „Berneck“ genannt (Bernecksportplatz) und am Fasnachtsmontag rückt sie als „Kirchenbach“ in den Mittelpunkt des närrischen Geschehens, wenn sie zum Schauplatz der bekannten „Bach-na-Fahrt“ wird: 40 Zuber mit phantasievollen Aufbauten und Dekorationen schippern mit jeweils zwei Mann oder Frau Besatzung auf eiskaltem Wasser (und ohne Neoprenanzüge!) rund einen Kilometer talwärts.

Kirnbach: Zufluss zur Schiltach von Hardt her durchs Kirnbachtal – leider wenig zugänglich und stark kanalisiert.

Kirnbach

Kirnbach

Lauterbach: durchfließt die Nachbargemeinde Lauterbach und stürzt dann über die Lauterbacher Wasserfälle an der alten Junghans-Fabrik vorbei nach Schramberg. Wer dort seinen Strumpf verloren hat, kann in Lauterbach ein Lied davon singen.

Göttelbach: stürzt von der Bergstadt Sulgen hinunter nach Schramberg-Tal, ebenfalls stark kanalisiert und verrohrt, im Stadtgebiet kaum mehr zu sehen.

Dass Schramberg als Fünftälerstadt bekannt wurde, verdankt sich dem kleinen Trick, dass aus obigen vier Gewässern mit ihren Tälern ein fünftes gebildet wurde, weil die Schiltach nach Tennenbronn hin „Berneck“ heißt und nicht „Schiltach“.

Eschach: Bevor es den Schwarzwald gab, war die Ur-Eschach der Hauptfluss der Gegend, der zur Ur-Donau und damit ins Schwarze Meer floss. Heute ist sie eher meist träges Bächlein, das in Rottweil-Bühlingen in den Neckar mündet. Es durchzieht Schramberger Gemarkung in Heiligenbronn, wo im sumpfigen Tal eine Quelle mit Heilkraft die Entstehung eines Wallfahrtsortes seit dem Mittelalter verursachte.

Heimbach: Waldmössingen wird vom Oberlauf des Heimbach durchzogen, der hier aber kein natürliches Bett mehr hat und als Ausgleichsmaßnahme teilweise renaturiert werden soll. Im Tiergehege Waldmössingen speist er einen kleinen Weiher und fließt dann über Betzweiler-Wälde nach Leinstetten und mündet in die Glatt, Nebenfluss des Neckar.


Aus der menschlichen Geschichte:
Schramberg raubt der Welt den Schlaf

Hans von Rechberg, Raubritter alten Stils, war der Begründer der Herrschaft Schramberg im Spätmittelalter und erbaute die Burg Hohenschramberg. Ihre Ruine begründet zusammen mit der Ruine Falkenstein und der Ruine Schilteck den Ruf Schrambergs als Burgenstadt.
Rochus Merz machte die Herrschaft Schramberg 1547 österreichisch und brachte die Stadtentwicklung durch Marktrecht, Heiligenkasten, Urbar u.a. voran.
Die Grafen von Bissingen als habsburgische Lehnsherren ließen sich in Schramberg nieder und errichteten sich ein Schloss, das heute als Stadtmuseum dient. Im Besitz des Grafen ist heute noch das älteste sakrale Gebäude der Talstadt, die Falkensteiner Kapelle.
Erhard Junghans begründete 1861 die Uhrenfabrik Junghans im Lauterbachtal. Die industrielle Uhrenherstellung (vor allem Wecker! – wie gräßlich) samt Zubehörindustrie verlieh der Raumschaft einen großen wirtschaftlichen Aufschwung.

1867 wird Schramberg zur Stadt erhoben. 1939 werden Sulgen mit Schönbronn und Heiligenbronn durch (nationalsozialistische) Anordnung von oben eingemeindet. 1971 kommt nach Bürgerabstimmung Waldmössingen zu Schramberg hinzu. 2006 schließt sich Tennenbronn nach Bürgerentscheid der Großen Kreisstadt Schramberg an – die erste freiwillige Eingemeindung in Baden-Württemberg nach der Gemeindereform der 70er Jahre.

Markenzeichen: neben der Bach-na-Fahrt (s.o.) sind dies die Uhren („von Schramberg in die ganze Welt“. Hier gehen die Uhren nicht anders, hier werden sie gebaut bzw. wurden sie, denn die Produktion ist weitgehend ins Ausland verlagert.

Die Verbindung von Präzisionsarbeit und Landschaft hat die Stadt zum Schlagwort
„In Schramberg Schwarzwaldqualität erleben“ beflügelt.


Die Stadtteile

Wie die Namen schon sagen, gibt es viel Berg und Tal in Schramberg, viele Quellen und Brunnen und natürlich viel Wald. Die Geschichte war lange durch die Grenzlage charakterisiert, zuletzt württembergisches Grenzgebiet, von Baden umgeben. Kirchlich, sportlich und postalisch geht die alte Grenze nach der Eingemeindung von Tennenbronn sogar mitten durch die Stadt, vom Dialekt her ebenfalls.

Talstadt: Die Schramberger Kernstadt erstreckt sich im Tal der Schiltach und ihren Zuflüssen unterhalb der drei Burgruinen Falkenstein, Hohenschramberg und Schilteck. Sie bildet heute nach wie vor das Einkaufszentrum, politischer und kultureller Mittelpunkt der Stadt. Die Industrie, die die Entwicklung der Talstadt bestimmte, ist jedoch weitgehend auf die Hochflächen ausgewichen.

Schramberg

Schramberg

Sulgen: Jahrhundertelang bestand die heutige Bergstadt Sulgen, rund 250 Höhenmeter über der Talstadt gelegen, aus den beiden Dörfern Sulgen und Sulgau, die zu verschiedenen Herrschaften gehörten. Mit vielen Neubausiedlungen wie dem Eckenhof mit seinem Feriendorf und mehreren Industriegebieten spielte sich hier und spielt sich immer noch die bauliche Expansion der Stadt ab. Auf dem Lienberg vergrößert sich die Fläche für die Inudstrie, in Schoren-Süd entsteht ein neues großes Wohnbaugebiet mit ökologischen Akzenten.

Sulgen – Blick zum Kirchplatz

Sulgen – Blick zum Kirchplatz

Schönbronn: Schrambergs kleinster Stadtteil (die Schönbronner sagen: „und der schönste“) zwischen Sulgen und Mariazell ist historisch vor allem durch die älteste evangelische Kirche der Raumschaft bedeutend, in der heute ein Bibelerlebnismuseum aufgebaut wird.

Schönbronn

Schönbronn

Heiligenbronn: Im Wallfahrtsort an der Eschach entstand hier 1857 das Franziskanerinnenkloster, das Einrichtungen für sinnesbehinderte Menschen aufbaute und heute religiöse Angebote für Wallfahrer, Jugendliche und Besucher anbietet. Die Stiftung St. Franziskus Heiligenbronn führt die Behinderteneinrichtungen fort und prägt den Stadtteil.

Heiligenbronn

Heiligenbronn

Waldmössingen: Auf Waldmössinger Gemarkung befand sich mit einem Römerkastell (Nachbau beim Tiergehege) die älteste historische Besiedlung auf der städtischen Gemarkung. Waldmössingen selbst hat aber seine 1000-Jahr-Feier (1994) auch schon hinter sich. Das landwirtschaftlich geprägte Dorf hat heute auch ein großes Industrie- und Gewerbegebiet.

Waldmössingen 2015

Waldmössingen 2015

Tennenbronn: Zwar gehört Tennenbronn seit dem 1. Mai 2006 zu Schramberg und bildet damit den jüngsten Stadtteil, doch von Tennenbronner Gebiet aus wurde das Schramberger Tal im Mittelalter überhaupt erst besiedelt. Die Schwarzwaldgemeinde war lange Zeit in Katholisch und Evangelisch Tennenbronn getrennt und wurde erst 1922 vereinigt. Heute bildet neben örtlicher Industrie der Fremdenverkehr den Schwerpunkt mit dem großen Feriendorf und dem einzigen städtischen Freibad im Remsbachtal.

Tennenbronn Morgenstimmung

Tennenbronn Morgenstimmung


Ein paar Zahlen zu Schramberg

 

  • Einwohnerzahl: 21 317 (30.06.2017)
  • Gemarkungsfläche: 80,7 Quadratkilometer
  • Höhenlage (Rathaus): 426 m ü. NHN
  • tiefster Punkt: 396 m (Kläranlage Rappenfelsen)
  • höchster Punkt: 943 m (Brunholzer Höhe beim Windkapf)
  • Sonnenstunden im Jahr: 1780 Stunden mittlere Sonnenscheindauer (damit in der höchsten Kategorie für Deutschland)
  • jährliche Niederschlagsmenge: 1076 mm (mittlere Kategorie)
  • Frosttage: Talstadt 107, Sulgen 124

 

Nachfolgend der Link zur offiziellen Website der Stadt Schramberg www.schramberg.de